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Ein Gutshaus für eine ganze Gruppe!

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Das Guts- & Gästehaus Zietlitz bietet das passende Ambiente für Familienfeiern und -treffen, Brainstormings, kleine Seminare, Gruppen von Freunden historischer Gutshäuser; Naturliebhaber, Yogagruppen u.v.m.

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Gutshaus Mulitz

Mulitz war ein Rittergut und umfasste 1920 1.085 Morgen. Das Wohnhaus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut.




Der Hof liegt 1.200 m vom Bahnhof in Samtens entfernt. Der Einzelhof Muhlitz liegt am Niederungsrand und gehört zur Gemeinde Samtens. Die Grundform und der Ursprung des slawischen Ortsnamen sind unklar. Der Ort gehörte mindestens seit dem 16. Jahrhundert ständig als Pertinenz zu Plüggentin und bestand seit der gleichen Zeit nur aus einem Hof.

1915 kaufte August Friedrich Matthies Schröder das Gut von Dr. jur. Freiherr F:E. von Langen auf Plüggentin, nachdem dessen Pächter, Otto Burkhart den Betrieb krankheitsbedingt nicht mehr führen konnte. Die Gebäude waren damals in sehr schlechten Zustand. Der Kuhstall war am zusammenfallen und musste völlig neu errichtet werden. Gegenüber dem Wohnhaus auf der anderen Seite der 1 ha großen Hoffläche wurde ein Maschinenschuppen errichtet. Am Wohnhaus zum Garten hin wurde ein Flügel angebaut sowie ein Wohnhaus für 30 Saisonarbeitskräfte gebaut. Alle Wohnungen waren mit elektrischem Licht und Wasserversorgung versehen. Außerdem wurden feste Feldbahngleise (ca 1.500 m) lang mit zwei Ausweichstellen zur Abfuhr von Hackfrüchten verlegt.

Durch die von der Regierung veranlasste Umschuldung der Landwirtschaft erhielt Mulitz die Auflage, ca. 180 Morgen für Siedlungszwecke abzugeben. Es wurden davon zwei Siedlungen a 80 Morgen errichtet, die von Adolf Lepping und Otto Sothmann übernommen wurden. Weiterhin erhielten Wilhelm Rienow und Otto Schuster sogenannte Arbeitersiedlungen a 8 Morgen und der Rest von ca. 4 Morgen ging an die Gemeinde Samtens. So verblieben dem Gut Mulitz bis 1945 ca. 900 Morgen. 1936 erhöhte sich die Zahl der in Mulitz wohnenden Personen durch ein Siedlungsverfahren auf 19.

Das Herrenhaus Muhlitz war im Kern ursprünglich ein eingeschossiges Fachwerkgebäude, das 1922 nach dem Anbau verputzt wurde. Der massive Anbau war komplett unterkellert, das Ursprungsgebäude zum Teil unterkellert. Der zweigeschossige dreiachsige Frontispiz verfügte über eine Altane an der Hoffront. Im Giebel eine Uhr. Das Haus verfügte über ein Krüppelwalmdach mit Kronendeckung, später Ziegeldach (Frankfurter Pfannen) zu beiden Seiten des Frontispiz je eine Fledermausluke. Nach dem Anbau 1922 hatte das Herrenhaus insgesamt 26 Zimmer. Es war komplett elektrifiziert und hatte Wasserversorgung. Die Halle ging über zwei Stockwerke und verfügte über ein dreiteiliges bleiverglastes Fenster (3 x 4 m) mit Bildern in den Seitenflügeln von den Arbeiten des Landwirts (pflügen, säen, mähen, ernten). In der Mitte des Fensters oben war das Wappen der Familie Schröder zu sehen, im unteren Teil ein Pferdekopf. Der Treppenpfosten der breiten einläufigen Treppe zum ausgebauten Dachgeschoss war reich verziert, das Geländer bestand aus einfachen Brettbalustern.

Unter der Balkendecke der Halle hing eine siebenarmiger Kronleuchter aus Holz, mit Blattgold belegt, mit 35 elektrischen Kerzen. Dieser Kronleuchter hatte vor 1914 in der Garnisonskirche in Bialowis (Zarenjagdrevier) gehangen und war im Krieg 1914 - 1918 von einem Herrn Berg gekauft worden, der ihn 1920 an August Friedrich Matthies Schröder verkauft hat, als er dessen Halle sah. Dort hing der Kronleuchter bis zu Enteignung und Vertreibung der Familie Matthies Ernst Schröder am 29.9.1945. Mittlerweile hängt der Kronleuchter in der evangelischen Kirche in Samtens.

Nach der Enteignung des Betriebes am 29.9.1945 wurden Teile der landwirtschaftlichen Flächen an sogenannte "Neusiedler" gegeben. Die verbleibenden Flächen wurden als Volkseigentum in der LPG Rothenkirchen bei Samtens eingebracht und bewirtschaftet. Das Gutshaus und die Wirtschaftsgebäude wurden nicht mehr genutzt und verfielen. 1974 und 1978 war es uns aber noch möglich, die baufälligen Gebäude zu betreten.

Ca. 1980 wurden die Gebäude dem Erdboden gleich gemacht und Neubauten, wie ein zweistockiges Wohnhaus und eine Gaststätte errichtet, die bis ca. 1993 als Reiterhof genutzt wurden. Danach wechselten mehrfach die Nutzer.

Der ehemalige Jungviehstall, den Mathies Ernst Schröder 1920 baute, steht heute noch. Er wird heute als Pferdestall genutzt. Der Stall war ursprünglich ein Fachwerkbau mit Ziegeln ausgemauert, 45 Meter lang, an der Hofseite eine Längsdiele, Breite etwa 14 Meter. Im Giebel zu den Arbeiterwohnungen oben ein Wasserbassin, das durch den "Widder" (Stoßheber) aus der Quelle gefüllt wurde. Dieser Widder lief Tag und Nacht, das ganze Jahr über, auch im Winter. Oberhalb des Jungviehstalls gab es auch einen Lagerraum für Stroh. Stehen geblieben ist auch ein Transformatorenhäuschen, das heute eine Artenschutzstation ist.

Die Familie Schröder, drei Söhne und drei Töchter von Matthies Ernst Schröder und Hilde Schröder geb. Zippmann aus Pelsin bei Anklam hätten nach der Wende 1989 gerne die Teile des Hofes und die verbliebenen Flächen übernommen, die damals der Treuhandgesellschaft und damit dem Staat gehörten. Leider waren die Bedingungen für den Kauf für die sogenannten "Alteigentümer" so schlecht, dass es wirtschaftlich nicht möglich war. Dass der deutsche Staat den enteigneten Besitz nun zerstückelt und verkauft hat und dafür Geld erhält, dass ihm nicht zusteht, stimmt uns sehr traurig. Die Familie Schröder mit ihren Angehörigen fühlt sich von der deutschen Bundesregierung zum zweiten Mal enteignet.

Im Sinne des Erhalts alter Gutshäuser und deren landwirtschaftlicher Grundlage hätte eine Entscheidung zu Gunsten der Rückgabe an die Alteigentümer manches Problem früher und besser gelöst. Es wurde u. E. eine Chance vertan. Trotzdem wünschen wir allen Menschen, die jetzt auf Muhlitz ihr Glück versuchen, alles erdenklich Gute und das Gelingen der Ideen und Visionen, die sie haben.

Text: Karin Bothe


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